Unsere Stellungnahme zum Kita-Streik

Wir unterstützen die Forderungen der Erzieherinnen und Erzieher nach einer höheren Bezahlung und einer Aufwertung Ihres Berufs! Mehr Anerkennung für diese Tätigkeit ist zwingend nötig, sie wirkt motivierend auf die Arbeit, dies gilt auch für die Weitergestaltung des jeweils eigenen Berufsweges, also für Veränderungen im Beruf, z.B. von der Gruppenleitung zur Leitung, zur Fachberatung etc. All dies muss zwingend aufgewertet, erleichtert und besser entlohnt werden! Die Tätigkeit von Erzieherinnen und Erziehern, egal ob als Gruppenleitung, Leitung oder Zweitkraft, beinhaltet eine immens hohe Verantwortung. Nicht umsonst wird davon gesprochen, und hierzu gibt es viele eindeutige Belege, dass Bildung mit der Geburt beginnt. Jedes Jahr in der Kindertageseinrichtung ist wichtig, nicht erst das letzte, wo es natürlich auch darum geht, Kinder immer ein Stück weiter schulbereit und neugierig auf Schule zu machen - schulfähig allerdings sollen sie erst in der Grundschule werden. Hierbei ist die Erzieherin/ der Erzieher Lebensvorbild durch das eigene lebenspraktische Handeln, ist Kulturträger und politisch denkende Fachkraft. Auch um dieses zu gewährleisten, müssen Vor- und Nachbereitungszeiten in größerem Umfang zur Verfügung stehen. Wir sehen es zudem als zwingend notwendig an, dass die hohe Bedeutung der Tätigkeiten, die Erzieherinnen und Erzieher Tag für Tag machen, transparenter gemacht wird - zu nennen sind hier exemplarisch: Die Bedeutung des Spiels für die Entwicklung der Kinder mit all den überraschenden wie unplanbaren Situationen, die Aktivierung und Förderung von Selbstbildungspotenzialen im Sinne der Bildungsvereinbarung von NRW, das Ermöglichen unterschiedlicher Wahrnehmungserfahrungen und innere Verarbeitung von Geschehnissen, die wahrnehmende Beobachtung von Kindern und deren wichtige Dokumentation, natürlich Elterngespräche und Elternmitarbeit in den Tageseinrichtungen für Kinder. Eltern möchten wissen, wie sich ihr Kind entwickelt. Dazu müssen Erzieherinnen und Erzieher die Entwicklung zu dokumentieren - Formen dabei sind z.B. einige standardisierten Verfahren und mehrere unterschiedliche Beobachtungsformen. Die pädagogischen Fachkräfte sind gefordert, sogenannte "Entwicklungsverzögerungen" zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Dies erfordert ein enormes Wissen und Fortbildungen, somit Zeit und Organisation. Hinzu kommt die Partizipation, verstanden als tägliches Anteil nehmen am Leben der Kinder, die Betreuung unter Beachtung des Wortteils „treu“ sein, Erziehung im Sinne von selbstbewussten, dialogfähigen und gebildeten Erwachsenen als Wegbegleiter der Kinder. Wir meinen, diese Beispiele mit der damit korrespondierenden Aufgabe von Beziehungsgestaltung und Entwicklungsbegleitung der Kinder sowie die Bewältigung des Alltags sind enorm anspruchsvoll und bedürfen einer stärkeren Außenwirkung. Unabdingbar dafür ist somit eine offensivere Form der Außendarstellung der Berufsgruppe selber, mit Unterstützung von Trägern, Gewerkschaften, Verbänden und natürlich der Politik vor Ort und im Land. All dieses wertet aus unserer Sicht die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern auf. Wichtig ist zudem, dass die Ausbildungsstätten für Erzieherinnen und Erziehern endlich Abstand nehmen von oft eher verschulten Praxis-Aufgaben, die noch oft gesellt werden. Stattdessen müssen aus unserer Sicht die zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher viel stärker dabei unterstützt werden, die o.g. Aufgaben bewältigen zu lernen.
Sehr viel Geld wird in Deutschland für die Erziehung und Bildung der Kinder ausgegeben – ein deutliches Indiz dafür, welch hohen Stellenwert diese Begriffe bei uns aktuell haben.
Leider wird der Mehrwert von Erziehung bzw. von Nichterziehung, im Gegensatz zu den meisten anderen "Produkten", erst nach sehr langer Zeit gesehen – sich Zeit zu nehmen ist aber heute mehr denn je nicht mehr in dem nötigen Umfang gefragt, haben doch dazu viele Menschen bzw. Unternehmen keine Zeit, und Zeit ist bekanntlich Geld. All das, was oben geschrieben steht, gehört unserer Überzeugung nach in die Debatte um den aktuellen Streik. Es gehört zu einer Verbesserung des Berufsbildes mit den hoffentlich dann eintretenden entsprechenden Folgen. Hier ist noch eine Menge zu tun. Wir wollen dabei gerne mitwirken und diese Berufsgruppe stärken!

Jugendamtselternbeirat der Stadt Aachen